Alte Geister, die Erinnerung und Männer(sc)hmerzen

26

Neulich auf der roten virtuellen Ostsachsen TV- Couch…

Die meisten von uns hatten irgendwann eine Begegnung mit einem anderen Menschen, die so besonders, so verändernd, so kernerschütternd gewesen ist, dass wir ganz sicher waren, die ganz große Liebe gefunden zu haben.

Genauso sicher ist, dass dieses Gefühl nur in den seltensten Fällen gelebt wird. Die Gründe sind … nun ja… ein anderes Thema.

Ich weiß nicht genau, ob es stimmt, dass die Zeit alle Wunden heilt. Manche von uns können ein Liedchen davon singen, dass Verletzungen zwar vernarben, aber unter der Oberfläche weiter wehtun. Zum Glück ist unbestritten, dass das Leben weitergeht. Und so ist jeder von uns mit einer Erinnerung mehr im Gepäck seinen Weg gegangen. Von der Begegnung damals ist das diffuse Gefühl zurückgeblieben, als sei der Andere noch immer da. Manchmal jedenfalls. Und immer mal wieder. Sehr gerne natürlich in Momenten, in denen uns die Erinnerung an den alten Geist so gar nicht passt. Manchmal hören wir eine Stimme, oder plötzlich ist da ein Duft… Es gibt Orte, an denen wir so glücklich waren, dass wir am liebsten gequietscht hätten. Damals. Bis heute meiden wir sie, als seien sie mit diesem gelbschwarzen Absperrband Marke: „Sperrgebiet!“ gesichert.

Mich überraschte ein lieber Freund erst neulich mit der Einladung in ein Restaurant auf dem Berg, das zu meinem persönlichen Sperrgebiet gehört. Ich war wenig begeistert, dorthin zurückzukehren, wo mich das Glück sozusagen mal überwältigt hat. Doch es war ein vergnüglicher Abend mit dem Mann an meiner Seite. Wenigstens so lange, bis die Hausdame mit der Rechnung kam. Ich schwöre, dass ihr der Geist meiner Vergangenheit in diesem Moment so gegenwärtig war wie mir. Denn damals, in diesem anderen Leben sagte dieselbe Hausdame zu meinem Schatz: „Was ihr Beide ausstrahlt, müsst ihr unbedingt bewahren. Es ist so selten.“ Noch beim Verlassen des Lokals neulich überlegte mein Begleiter, ob das Trinkgeld eventuell zu niedrig gewesen sei, denn die Dame hätte überaus unfreundlich auf ihn gewirkt.

Zum Glück trifft uns die Erinnerung nicht immer so schmerzlich, aber Hand aufs Herz Mädels: Welche von euch kennt nicht diese Tage, an denen gefühlt unzählige Autos mit einem bestimmten Ortskennzeichen an uns vorbeiflanieren. Winkend sozusagen. Natürlich glaubt unser sentimentales Seelchen einen verrückten Moment lang daran, dass „XYZ“ Nummernschilder uns in Stadt „B“ nur deshalb begegnen, weil der alte Geist gerade jetzt an uns denkt. „Alles Quatsch!“,  sagen die Wissenschaftler unter uns. „Wir lauern auf derlei Grüße wie die Spinne im Netz auf die nächste Fliege, interpretieren Magie in Ereignisse, die reiner Zufall sind.“

Unbestritten ist das so. Aber wieso ist uns an manchen Tagen die Anwesenheit der vergangenen Liebe so bewusst und an den meisten anderen gar nicht? Warum spüren wir in manchen Momenten die Verbindung zu dem Geist unserer Vergangenheit fast körperlich?

Wir wehren uns mit aller Kraft gegen die Erkenntnis, dass auch nach langer Zeit irgendwas geblieben ist. Ein unsichtbares Band hält eine alte Liebe am Leben und macht Loslassen zur Lebensaufgabe.

Seufzende Zustimmung von den anwesenden Mädels auf der Couch, als ein Mann fragt: „Und wie funktioniert entlieben?“ „Wie lässt man los?“ Fragen, die bei jeder Frau vollkommen angemessen erscheinen, von einem Kerl zu hören, der keineswegs den Eindruck machte, als sei ihm zufällig ein Schenkel vom „XX“ abgebrochen und er sozusagen versehentlich zur „XY“ Trägerschaft gelangte, brachte mich doch ein wenig aus dem Konzept.

Kann es sein, dass Männer auch leiden? Dass auch sie eine besondere Liebe nicht vergessen können und kein Tag vergeht, ohne dass sie an die Eine denken? Ist es möglich, dass auch Männer am liebsten Autos mit einem gewissen Ortskennzeichen hinter die persönliche Sperrzone hexen möchten?

In weiblicher Vorstellung ist das Ende einer Liebe fast ausnahmslos so, dass er sich kurz schüttelt und die Nächste klar macht, noch bevor die Leiche seiner letzten Liebe kalt ist.

Und dann sitzt dieses gestandene Mannsbild auf meiner Couch bei Ostsachsen. TV zwischen all den Mädels… Da darf ich doch kurz aus dem Konzept kommen? Aber ich bin ja Profi. Ich holte tief Luft und dachte daran, was wir Mädels uns immer wieder sagen:

„Warum verschwendest du Energie damit, dich gegen das Gefühl zu wehren, was du für sie noch immer empfindest? Lasse es zu und erlaube ihm, da zu sein! Nur so wird es dir möglich, loszulassen. Falls du das überhaupt willst.“

Der Mann hat versprochen, wiederzukommen und wir Mädels gingen um die wichtige Erkenntnis reicher nachhause, dass auch Männer durchaus Momente haben, in denen Herz über Kopf steht.

Bleibt mir gewogen,

Pauline