Facebook und Selbstrespekt

Selbstrespekt entsteht durch Selbstachtung. Während unseres letzten DIALOG Meetings ging es um Selbstrespekt und wie wir diesen in unserem Alltag zeigen.

Mein Bespiel führte zu Lachern. Immer wieder passiert es, dass mich Menschen per E-Mail mit Herr statt Frau ansprechen. In den letzten Wochen wurde diese Nachlässigkeit für mich zu einem kleinen Ärgernis.

Nachlässigkeit

Ich sollte genannten Interessenten Infomaterial zu unseren Kursen zuschicken. Nachdem das Infomaterial verschickt war, kamen spärliche Rückmeldungen. Das ist normal. Nicht normal finde ich, dass trotz glockenklarer bildhafter Info in unseren Flyern über die Geschlechter von uns Trainern und Coachs, antwortende Führungskräfte mich dennoch weiter mit Herr ansprechen.

Nachlässigkeiten wie diese, die zumeist aufgrund von Zeitmangel und Unachtsamkeit passieren, zeigen, wie wenig Selbstachtung manche Menschen haben. Zweifellos senden wir alle bewusst oder unbewusst Signale an unsere Empfänger. Im Zeitalter der schnellen digitalen Kommunikation sollten wir uns jedoch fragen, inwieweit wir uns blind einer praktischen Technologie unterwerfen.

Sorge tragen

Wir Menschen sind es, die uns die Technologie zunutze machen, nicht umgekehrt. Wir sind es, die Sorge dafür tragen sollten, wie und mit wem wir kommunizieren, statt dies der Vorgabe eines digitalen Templates zu überlassen. Wie wirken wir, wenn wir in Zeiten der Personalisierung in Briefen immer noch solche Faux pas wie im oben beschriebenen Beispiel begehen?

Welchen Stellenwert nimmt das eigene Selbst ein, wenn wir wie eine Maschine in die Keyboardtasten hämmern, nur um Zeit und Energie zu sparen? Wir gehen in große Distanz zum Empfänger, den wir doch eigentlich erreichen möchten?  Schicken wir unsere E-mails an eine Inbox oder an einen Menschen aus Fleisch und Blut?

Algorithmen

Sind wir nicht schon längst dabei, uns den elektronischen und digitalen Hilfsmitteln zu unterwerfen, indem wir sie benutzen, ohne nachzudenken. Der momentane Facebook Skandal ist nur ein kurzlebiger Gipfel des Eisbergs. Hier geht es um Datenklau, ein kriminelles Unterfangen. Jedoch sind wir als Nutzer von Facebook selbst schuld, weil wir uns als Menschen zu wenig selbst achten. Unwissend überlassen wir Algorithmen die Kontrolle über unsere Vernetzung. Mehr noch, wir vernetzen unsere Posts womöglich mit Menschen oder Algorithmen, nur, weil wir es lieben, viele Followers zu haben. Ein „Like“ als oberflächliche Wertschätzung  von anderen erscheint wichtiger als unsere Selbstakzeptanz. So hoffen wir auf den Multiplikator Social Media. Wenn wir unsere Unachtsamkeit oder die anderer einfach so geschehen lassen, sollten wir uns nicht wundern, dass wir umfassendere Vernachlässigungen einfach ignoriert werden. Für mich liegt dies nicht wirklich an der schieren Fülle und den extrem attraktiven Möglichkeiten der Informationstechnologie, sondern an der Indifferenz des Menschen, am Mangel eines bewusst werteorientierten Umgangs mit gegebenen Möglichkeiten.

Verführung

Nach meiner Erfahrung fallen Menschen in atemberaubender Geschwindigkeit jeder Art von Attraktivität zum Opfer. Gerne lassen wir uns  verleiten, verführen, verblenden von Dingen, die mehr Glanz besitzen als Substanz. Zugunsten der Glorie verlassen wir unsere Wertepfade, sofern uns diese bewusst sind. Zugunsten der Bequemlichkeit lassen wir uns einnehmen von verführerischer Einfachheit, zugunsten von Großartigkeit lassen wir uns ein mit „Schall und Rauch“. Sehr gerne verzichten wir zuweilen auf die hohe Komplexität der Vielfalt, schließlich erscheint sie überwältigend. Zu gerne bevorzugen wir Einfachheit.

Genau diese angebliche Einfachheit ist die Versuchung unserer digitalen Welt, welche uns immer mehr Bequemlichkeit verspricht während das komplexe Wissen in den Händen der digitalen Experten ruht. Sie, diese Menschen, sind diejenigen, die uns durch die Kenntnis von Algorithmen steuern können, weil wir, als „Greenhorns“ keine Ahnung haben, wie diese Systeme wirklich funktionieren. Doch keine KI, künstliche Intelligenz, ist einfach so aus Evolution oder Spiritualität entstanden. Sie wird durch Menschen gemacht. Menschen kontrollieren die technologischen Entwicklungen, selbst Algorithmen, die unkontrolliert Information verbreiten, egal ob wertvoll oder totaler Blödsinn.

Es sind Menschen, die Verantwortung über ihre Möglichkeiten übernehmen, nicht engelhafte Feen, Diaboli oder Götter. Wir selbst, als menschliche Bewohner dieser Welt, sind verantwortlich für die werteorientierte Ausschöpfung oder nicht Nutzbarmachung unserer Möglichkeiten. Wir selbst sind es, die uns positive Verbindungen ermöglichen oder Trennung. Wir sind es, die Fähigkeiten ausschöpfen und Ziele für Frieden oder Kampf definieren. Wir sind es, die andere Menschen wegen ihres Glaubens, ihrer Ideologien oder ihrer Lebensphilosophie in unseren Mikrokosmos hereinbitten oder hinausverdammen. Jeder gesunde Mensch hat positive und negative Macht über einen anderen Menschen, wenn der andere es zulässt. Jeder Einzelne sollte ganz genau wissen wofür er sich entscheidet.

Selbstrespekt

Selbstachtung ist die Voraussetzung von Selbstrespekt. Menschen mit Selbstachtung nehmen sich wichtig und ernst. Sie möchten, dass es ihrem Körper, Geist und Seele gut geht. Sie lassen sich nicht leicht vereinnahmen von Gold was glänzt. Stattdessen hinterfragen sie die Dinge. Sie stehen zu ihren eigenen Qualitäten und Leistungen, werten sich weder auf noch ab.

Grenzen setzen und diese anderen Menschen auf höfliche Art und Weise zeigen, zeichnet Menschen mit Selbstrespekt aus. Sie sind sich selbst gegenüber tolerant. Übersteigerter Perfektionismus ist ihnen fremd, denn sie wissen, dass dieser ungesund ist.

Wer mit Selbstrespekt agiert, akzeptiert die Vielfalt in sich. Wir alle sind Diversity. Wer mit Selbstrespekt agiert, hat Einsicht gewonnen. Er entschließt sich mit einer Herz-Hirn-Balance für umsichtiges Agieren und Reagieren und erlaubt sich einen weitsichtigen Standpunkt, von dem aus er in seinen Mikrokosmos schaut.

Buchmesse Leipzig 2018

Bildquelle ELANproject International Elegance

Viele Menschen auf der Buchmesse in Leipzig 2018. Illustre Figuren und Figürchen aus rosa Plastik, buntem Tüll und Gold Glitzer. Manga und andere Comic Charakteren. Ein schier unendliches Wirrwarr von um Hervorstechen und Beachtung finden ringender Akteure. Dazwischen, beinahe bescheiden, Bücher. Drapiert auf oft ebenso bescheiden anmutenden Tischen. Was fiele mehr ins Auge? Der Glamourmensch oder das Buch, sein Buch?

Beim Umherwandern fiel mir mein Thema ein, die ICH-KULTUR. In Kürze erscheint mein Buch darüber. Es geht um die Kultivierung des Selbst, ein lebenslanger Prozess. Je bewusster wir an unserer Persönlichen Kultur arbeiten, desto weniger laufen wir Gefahr, andere ungewollt zu verletzen. Wir werden aufmerksamer und gehen achtsamer mit unser selbst und anderen um.

Diese Buchmesse ist ein perfekter Platz für das Studium menschlicher Charakteren und Persönlichkeiten und ihrer Wahl der Kommunikation. Wie man herüberkommt liegt im Auge des Betrachters heißt es. Genauso ist es. Wer sein Selbst bewusst kultivieren möchte und an seiner ICH-KULTUR arbeitet, lässt sich auf ein hoch spannendes Unterfangen ein. Die Reise in sich selbst kann zum Abenteuer werden.

Wem Glamour wichtig ist, wird sich so geben, wem Eleganz wichtig ist, wird ebenfalls versuchen, einen Akzent zu setzen. Wir alle streben nach dem Bild, das wir nach außen abgeben möchten. Ob wir so ankommen, wie wir es wünschen, entscheiden andere.

Warum ist das so?

Unser Gehirn entscheidet, was wir wie wahrnehmen und aufgrund von welchen Erfahrungen oder Lernprozessen. Weil es unser persönliches Gehirn ist, sind wir auch persönlich dafür verantwortlich, wie unsere innere Haltung sich entwickelt, wie respektvoll wir mir unseren Mitmenschen umgehen und, natürlich, wie wir wahrgenommen werden möchten. Wenn uns andere in eine Schublade stecken, können wir dies nicht beeinflussen, es sei denn, wir gehen in echten Kontakt mit unserem Gegenüber.

Der Mensch wird diesen Kontakt immer brauchen. Er ist nicht nur spannend und hin und wieder aufregend, er ist ein immanentes Bedürfnis des Menschen.

Wenn wir also als Comicfiguren oder sonstige Illustrationen unseres Selbst auf einer Veranstaltung auftauchen, hier eben auf der Buchmesse, ist das größte Bedürfnis der allermeisten Menschen aufzufallen, um in Kontakt zu gehen. Was wir mit dem Kontakt machen, bleibt als neues Ziel offen.

Für mich war die Buchmesse ein kleines Lernfest.