Alte Geister, die Erinnerung und Männer(sc)hmerzen

Neulich auf der roten virtuellen Ostsachsen TV- Couch…

Die meisten von uns hatten irgendwann eine Begegnung mit einem anderen Menschen, die so besonders, so verändernd, so kernerschütternd gewesen ist, dass wir ganz sicher waren, die ganz große Liebe gefunden zu haben.

Genauso sicher ist, dass dieses Gefühl nur in den seltensten Fällen gelebt wird. Die Gründe sind … nun ja… ein anderes Thema.

Ich weiß nicht genau, ob es stimmt, dass die Zeit alle Wunden heilt. Manche von uns können ein Liedchen davon singen, dass Verletzungen zwar vernarben, aber unter der Oberfläche weiter wehtun. Zum Glück ist unbestritten, dass das Leben weitergeht. Und so ist jeder von uns mit einer Erinnerung mehr im Gepäck seinen Weg gegangen. Von der Begegnung damals ist das diffuse Gefühl zurückgeblieben, als sei der Andere noch immer da. Manchmal jedenfalls. Und immer mal wieder. Sehr gerne natürlich in Momenten, in denen uns die Erinnerung an den alten Geist so gar nicht passt. Manchmal hören wir eine Stimme, oder plötzlich ist da ein Duft… Es gibt Orte, an denen wir so glücklich waren, dass wir am liebsten gequietscht hätten. Damals. Bis heute meiden wir sie, als seien sie mit diesem gelbschwarzen Absperrband Marke: „Sperrgebiet!“ gesichert.

Mich überraschte ein lieber Freund erst neulich mit der Einladung in ein Restaurant auf dem Berg, das zu meinem persönlichen Sperrgebiet gehört. Ich war wenig begeistert, dorthin zurückzukehren, wo mich das Glück sozusagen mal überwältigt hat. Doch es war ein vergnüglicher Abend mit dem Mann an meiner Seite. Wenigstens so lange, bis die Hausdame mit der Rechnung kam. Ich schwöre, dass ihr der Geist meiner Vergangenheit in diesem Moment so gegenwärtig war wie mir. Denn damals, in diesem anderen Leben sagte dieselbe Hausdame zu meinem Schatz: „Was ihr Beide ausstrahlt, müsst ihr unbedingt bewahren. Es ist so selten.“ Noch beim Verlassen des Lokals neulich überlegte mein Begleiter, ob das Trinkgeld eventuell zu niedrig gewesen sei, denn die Dame hätte überaus unfreundlich auf ihn gewirkt.

Zum Glück trifft uns die Erinnerung nicht immer so schmerzlich, aber Hand aufs Herz Mädels: Welche von euch kennt nicht diese Tage, an denen gefühlt unzählige Autos mit einem bestimmten Ortskennzeichen an uns vorbeiflanieren. Winkend sozusagen. Natürlich glaubt unser sentimentales Seelchen einen verrückten Moment lang daran, dass „XYZ“ Nummernschilder uns in Stadt „B“ nur deshalb begegnen, weil der alte Geist gerade jetzt an uns denkt. „Alles Quatsch!“,  sagen die Wissenschaftler unter uns. „Wir lauern auf derlei Grüße wie die Spinne im Netz auf die nächste Fliege, interpretieren Magie in Ereignisse, die reiner Zufall sind.“

Unbestritten ist das so. Aber wieso ist uns an manchen Tagen die Anwesenheit der vergangenen Liebe so bewusst und an den meisten anderen gar nicht? Warum spüren wir in manchen Momenten die Verbindung zu dem Geist unserer Vergangenheit fast körperlich?

Wir wehren uns mit aller Kraft gegen die Erkenntnis, dass auch nach langer Zeit irgendwas geblieben ist. Ein unsichtbares Band hält eine alte Liebe am Leben und macht Loslassen zur Lebensaufgabe.

Seufzende Zustimmung von den anwesenden Mädels auf der Couch, als ein Mann fragt: „Und wie funktioniert entlieben?“ „Wie lässt man los?“ Fragen, die bei jeder Frau vollkommen angemessen erscheinen, von einem Kerl zu hören, der keineswegs den Eindruck machte, als sei ihm zufällig ein Schenkel vom „XX“ abgebrochen und er sozusagen versehentlich zur „XY“ Trägerschaft gelangte, brachte mich doch ein wenig aus dem Konzept.

Kann es sein, dass Männer auch leiden? Dass auch sie eine besondere Liebe nicht vergessen können und kein Tag vergeht, ohne dass sie an die Eine denken? Ist es möglich, dass auch Männer am liebsten Autos mit einem gewissen Ortskennzeichen hinter die persönliche Sperrzone hexen möchten?

In weiblicher Vorstellung ist das Ende einer Liebe fast ausnahmslos so, dass er sich kurz schüttelt und die Nächste klar macht, noch bevor die Leiche seiner letzten Liebe kalt ist.

Und dann sitzt dieses gestandene Mannsbild auf meiner Couch bei Ostsachsen. TV zwischen all den Mädels… Da darf ich doch kurz aus dem Konzept kommen? Aber ich bin ja Profi. Ich holte tief Luft und dachte daran, was wir Mädels uns immer wieder sagen:

„Warum verschwendest du Energie damit, dich gegen das Gefühl zu wehren, was du für sie noch immer empfindest? Lasse es zu und erlaube ihm, da zu sein! Nur so wird es dir möglich, loszulassen. Falls du das überhaupt willst.“

Der Mann hat versprochen, wiederzukommen und wir Mädels gingen um die wichtige Erkenntnis reicher nachhause, dass auch Männer durchaus Momente haben, in denen Herz über Kopf steht.

Bleibt mir gewogen,

Pauline

 

 

 

Leipzig, „Lafeya“ und die Lust zu leben

Mein erstes Mal mit „Driftwood Holly“ hatte ich an einem kalten Dezemberabend. Musikalisch versteht sich.

Ich war unterwegs zu meiner Lesung in Bad Tabarz und gelinde gesagt leicht lampenfieberig. Meine Freundin Herzi legte „Aura Borealis“ ein und während ich nervös „Mothers“ lauschte, spürte ich, wie die Spannung sich allmählich zu lösen begann. Diese Stimme! Kraftvoll und ehrlich. Dem Typen würde ich ohne zu zögern den Kumpel von nebenan abnehmen. Mit denselben Träumen und Ängsten, wie ich sie selber habe. Und dann diese Geige! Ich war völlig gebannt. Während Herzi schnatternd in Richtung Bad Tabarz tuckerte, ließ ich mich von Stimme und Geige davontragen.

Gänsehäutig lauschte ich „Lafeya“ und bin in diesem Moment „Driftwood Holly“ verfallen. Ehrfürchtig wünschte ich mir, dass es mir gelingen möge, mein Publikum an diesem Abend ebenso mitzunehmen, wie diese Stimme und der zauberhafte Klang der Geige es mit mir getan hatten.

Wieder daheim verriet mir das Internet interessante Details über „Driftwood Holly“, der aus Oberwiesenthal stammt und auszog, um die Welt zu entdecken. Vielleicht auf der Suche nach sich selbst?

Neulich brachen wir Mädels nach Leipzig auf, weil „Driftwood Holly“ dort ein Konzert gab. Doch bevor wir die Moritzbastei stürmten, war natürlich ausgiebigstes Stadtbummeln angesagt. Gleich im ersten Laden war es Liebe und wir schritten beschwingt mit nagelneuem Kleidchen aus dem Geschäft.

Wir sind Mädchen, was bedeutet, dass uns Klamottenshopping zwar glücklich, aber keineswegs zufrieden macht, solange andere Bedürfnisse ungestillt sind:

Also krähte Herzi nach Rotwein, Hilde hatte Hunger und ich musste… naja lassen wir das… Wir brauchten dringend einen Ort, an dem all diese Wünsche gleichzeitig zu erfüllen waren.

Auerbachs Keller! Der versprach neben richtig gutem Essen einen Hauch von Spannung und ein bisschen Kultur. Immerhin soll Faust in diesem Gewölbe einst seine Seele an den Teufel verkauft und noch ganz andere Sachen getan haben.

Soweit kam es für uns Mädels natürlich nicht, aber wir speisten göttlich und machten nebenbei die Bekanntschaft eines wahren Paradiesvogels nebst seiner beiden Windhunde. Den Namen habe ich vergessen, nicht aber die Information bezüglich seiner Beinlänge, die ihn in eine Liga mit hochkarätigen Supermodels katapultiert habe. Nun sei er selbst ein solches und außerdem Schauspieler an der Seite bekannter Stars. Mit einem Blick auf Herzi hielt er inne und betonte, dass der sie glatt heiraten würde, wenn er doch nur heterosexuell sei.

Kinner nee… Leipzig lebt eben anders.

Mit Mühe hielten wir unsere Mimik unter Kontrolle, als wir über die hingestreckten Hundeviecher Richtung Ausgang torkelten und ich direkt in die Arme eines echten Künstlers:

Arne Schmitt, Pianist und Reisender, der mich schon an verschieden Orten der Welt mit seinem Piano bezaubert hat. Spontan spielte er „Sacrifice“ von Elton John für uns Mädels. Nicht nur ich war hin und weg. Was für ein Tag!

Wie beflügelt schwebten wir in der Moritzbastei ein. Bereit für „Driftwood Holly“, die mit wunderbarer Musik voller Leidenschaft und Lebensfreude die Menge verzaubert haben. Holly ist nicht nur ein unglaublich guter Sänger, mit kleinen Anekdötchen aus seinem Leben zog er wirklich jeden in seinen Bann. Dass die Stimmung in der Moritzbastei gigantisch war, muss ich niemandem erzählen, der jemals „Driftwood Holly“ gehört hat. Mir persönlich gefiel die Geschichte über seinen Kumpel im Knast richtig gut, mit der er in köstlichstem sächsisch eine Jonny Cash Nummer anmoderiert hat.

Hach, was hatten wir Spaß mit „Driftwood Holly“ Ich war hin und weg, als er „Lafeya“ anstimmte, begleitet von dieser wundervollen Geige Oder ist es eine Violine? Pavel Osvald möge mir und meiner Unwissenheit vergeben, ich war von seinem Spiel einfach hingerissen.

Ich glaube, dass ich lange nicht so mit mir selber im Reinen gewesen bin. Denn Leichtigkeit und Lebensfreude sind die Begleiter, die ich dauerhaft im Leben haben möchte. Oder wie ein weiser Mensch mal gesagt haben soll: “Leben ist das, was wir draus machen“.

Bis die Tage

Pauline

Das Fest der Liebe?

Man sagt ja, Weihnachten sei das Fest der Liebe. Ah jaaa…

Als ich ein Kind war, war Liebe in meiner Welt eine Selbstverständlichkeit. Nicht nur in der Weihnachtszeit. Sie war in jeder Geste meiner Mutter, in jedem Lachen meines Vaters. Weihnachten dagegen war für mich vor allem Rot und Grün und Gold. Und süße Düfte. Gänsebraten und Schokolade. Heimlichkeiten. Ich glaubte mit der ganzen Kraft meiner Kinderseele an die Magie von Weihnachten.

Auch wenn ich den Kaufmannsladen nie bekommen habe, den ich mir sehnlichst wünschte, glaubte mein Kinderherz fest an die Magie der Weihnachtszeit. Und an den Weihnachtsmann sowieso.. Weihnachten war eine Zeit voller Wunder. Verschneit und friedlich.

Dann bin ich älter geworden und begann, mir zum Thema „Fest der Liebe“ eigene Gedanken zu machen:

Jeder halbwegs normal gestrickte Grundschüler kommt ganz fix dahinter, wer die Weihnachtsgeschenke bringt. Der Glaube an Weihnachten beginnt zu bröckeln.

Nehmen wir das Märchen mit der verschneiten Welt. Statistisch gesehen reicht es in unseren Breiten höchstens alle vier Jahre für weiße Weihnachten. In den anderen drei Jahren können wir froh sein, wenn der Heilige Abend nicht ähnlich feuchtgrau daherkommt, wie manche Tage im August.

Und das Ding mit dem Weihnachtsfrieden: Von außen betrachtet, scheint es doch eher so, dass weihnachtlicher Frieden unter deutschen Weihnachtsbäumen viel zu oft schon an den Erwartungen scheitert, die die Beteiligten aneinander haben:

Vielleicht ist es das neue Bügeleisen, das Liebeling der Liebsten in der besten Absicht schenkt, ihr die Hausarbeit zu erleichtern. Schließlich versprach die Fernsehwerbung, dass das verhasste Bügeln mit diesem Teil ein Kinderspiel und sozusagen von allein und nebenbei geht. Die Liebste dagegen schmollt, weil er – beste Absicht hin oder her – noch immer nicht begriffen hat, dass ein Geschenk niemals und unter keinen Umständen ein Kabel haben darf. Versteht dieser Mann sie denn überhaupt nicht? Die hübschen Ohrringe, die sie neulich beim Juwelier ihrer Träume bestaunt hat, hätten sie glücklich gemacht. Doch statt ihre Wünsche zu erfüllen, lungert der Liebste in Jogginghosen unterm Baum und zerstört den letzten Rest ihres Glaubens an weihnachtliche Romantik. Derweil der Schuft in Jogginghosen gar nichts mehr versteht. Er will doch nur seine Ruhe.

Dann wäre da noch die Liebe. Viele von uns haben im Lauf der Jahre die eine oder andere Erfahrung in Sachen Liebe machen müssen, die sie künftig bereits beim Gedanken an dieses große Gefühl Kopfschmerzen verspüren lässt. Für sie ist Liebe nur noch ein Wort.

Angesichts derlei desillusionierender Erkenntnisse kam ich nicht um die Frage herum, ob „Das Fest der Liebe“ tatsächlich nichts als Illusion ist? Und wenn ja, wieso geben wir uns dieser Illusion alle Jahre wieder aufs Neue hin?

Meine Oma Stock pflegte zu sagen, dass Liebe alles ist. Und dass ohne Liebe alles nichts ist. Sie zitierte damit den Apostel Paulus und der musste es ja wissen, schließlich ist er Teil des Neuen Testaments. Ich bin lange skeptisch geblieben, habe wie viele andere nur an das geglaubt, was greifbar, für den Verstand plausibel und für das Auge sichtbar ist. Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich dahinter gekommen bin, dass Liebe und Magie, genauso wie das Rot und Grün der Weihnachtszeit diese kleinen Geschenke sind, die mein Leben leicht machen und mein Inneres warm.

Vielleicht ist es mit Weihnachten so, wie mit der Liebe: Man muss daran glauben.

Mit diesen Gedanken wünsche ich Euch allen, dass Weihnachten rot und grün und golden ist. Und voller Magie. Ein Fest der Liebe eben.

Kommt gut und glücklich ins neue Jahr. Bleibt neugierig, offen und mir gewogen. Und vor allem: Bleibt bei Euch selbst!

Bis die Tage

Pauline

Von Frau zu Frau die Vierte: Novemberblues und Glaubenssätze

Als mir im Spätsommer dieses Jahres Ostsachsen.TV die Mitarbeit angeboten hat, habe ich ein Weilchen darüber nachgedacht, was ich mit dieser neuen Herausforderung anfange.

Witzig, frech und mit einem Augenzwinkern habe ich über Jahre den Blog „Provinzgeschnatter“ geschrieben. Vier Freundinnen trafen sich immer wieder gerne, um über ganz alltägliche Problemchen und außergewöhnliche Sorgen reden. “Provinzgeschnatter“ gibt es in Kürze als Buch. Für mich geht damit ein großer Traum in Erfüllung, aber ich finde auch, dass sich damit ein Kreis schließt. Die vier Mädels haben genug geschnattert.

Dennoch erreichen mich aus Gesprächen, Mails und guter alter Leserpost immer noch Gedanken und Sorgen anderer, über die wir künftig an dieser Stelle reden werden. „Von Frau zu Frau“ sozusagen.

Statistisch gesehen soll ja der November der Monat mit den meisten Selbstmorden sein. Ich habe keine Ahnung, ob da was dran ist. Tatsache ist und bleibt aber, dass die graue Jahreszeit auch unsere dunkelsten Gedanken hervorholt.

Mehr als zu jeder anderen Zeit des Jahres bewegen manche von uns tiefgründige Fragen: Warum läuft das Leben nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe? Warum ist ein bestimmter Mensch nicht mehr bei mir? Wieso muss ich einen geliebten Traum aufgeben? Für welche Tat bestraft mich das Universum mit Einsamkeit? Einsamkeit, die viele von uns nicht nur an den bevorstehenden Feiertagen durchleiden, sondern in sich drin an jedem Tag fühlen.

Ich glaube, dass es einfach keine Antworten auf Fragen nach dem „Warum?“ gibt. Manchmal sind die Dinge so wie sie sind. Punkt.

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir die Geschenke, die das Leben für jeden von uns bereithält, höchst selten hinterfragen. Je nach eigenen Möglichkeiten können wir sie annehmen oder eben nicht. Keiner würde auf die Idee kommen, sich zu fragen, warum das Leben es gerade gut mit ihm meint. Doch wenn es uns schlecht geht, kommen wir sehr gerne auf diese Frage zurück…

Auch ich kenne Tage, da stehe ich vor einem Abgrund. Ich finde mich mittendrin wieder und habe nicht die Kraft, mein zersplittertes Ich einzusammeln und mich auf den mühsamen Weg nach oben zu machen. Weil mir die Hand fehlt, die mich aus dem Sumpf zieht, oder das aufmunternde Wort eines anderen Menschen. Momente, an denen ich schwer an der Weisheit des Universums zweifle und ernsthaft überlege, ihm die Freundschaft zu kündigen. Und während ich so in meinem Loch aus Kälte und Dunkelheit hocke, kommt mir irgendwann der Gedanke, dass nicht das Universum, sondern ich selber mein Leben gestalte. Nach meinen Möglichkeiten. Mit meinen Farben. Es ist allein meine Entscheidung, ob ich mein Herz öffne. Trotz allem, oder gerade weil.

Es liegt an jedem von uns, an eigenen Glaubenssätzen zu arbeiten… Nichts liegt mir ferner, als das an dieser Stelle vorgefertigte Sprüchlein der Marke „Geh wohin dein Herz dich führt“, zu zitieren… Dieser funktioniert leider nur, wenn sicher ist, dass das Ziel für besagtes Herzchen auch erreichbar ist. Die Wirklichkeit zeigt nämlich, dass das ersehnte Ziel nicht selten hinter dicken Mauern am anderen Ende einer Sackgasse verschanzt ist. Mauern, die schlimme Schrammen am eigenen Seelchen verursachen, aber dennoch unüberwindbar bleiben.

Vielmehr geht es um Glaubenssätze wie „Ich kann das nicht.“ oder „Ich habe Angst.“ Wer es schafft, diese Glaubenssätze umzuwandeln in „Ich hab eine Scheißangst, aber ich kann das trotzdem…“, der wird vielleicht erstaunt sein, welche Türen sich öffnen, welche Leitern plötzlich an den Mauern unseres eigenen Abgrundes lehnen und mit welcher Kraft es uns möglich ist, den grauen Sumpf zu verlassen.

Alles Liebe

Pauline

 

 

Zugvögel, Paradiesvögel und America online

An einem Tag wie heute, wo sich die Zugvögel laut schnatternd formieren und die große Reise Richtung Sonnenschein antreten, komme ich nicht drum herum zuzugeben, dass auch ich mitunter ruhelos bin. Ich würde gerne getreu Brechts Aussage: „Zahme Vögel singen von der Freiheit. Wilde fliegen.“ alles hinter mir lassen, was mich hält. Mich den Zugvögeln anschließen und frei sein.

Doch realistisch betrachtet weiß ich, dass Herr und Frau Zugvogel sich keineswegs aus lauter Freude darüber, dass die Brut endlich aus dem Nest ist, einen langen Urlaub gönnen. Sie verlassen die heimeligen Nester, weil sie mitteleuropäische Winter nicht überleben würden. Vorbei ist es mit meinem Neid, denn mir geht  auf, dass Zugvögel keineswegs frei von Zwängen sind.  Im Gegenteil: Sie brechen alljährlich zur selben Zeit zu ihrer Reise in das immer gleiche Winterquartier auf und kehren in jedem Frühjahr an dieselben Nistplätze zurück. Und sie folgen bedingungslos dem flinken Kerlchen an der Spitze.

Während ich noch dem Vogelschwarm nachschaue, komme ich nicht um die Frage herum, was es ist, dass manche Menschen ruhelos in die Ferne treibt. Und tatsächlich kenne ich ein paar solcher Paradiesvögel, die es fertig bringen, sich dekadenter weise alle paar Jahre eine längere Auszeit im exotischen Ausland zu gönnen. Die fern von Touristenrouten auf Kontinent X das Leben in Land Y ausprobieren. Weil die Lebensart der Menschen auf Insel Z so beneidenswert anders ist, planen manche sogar, dauerhaft auf eben jene umzusiedeln.

Hach muss das schön sein. Alles hinter sich zu lassen, um in südlichem Sonnenschein ohne den Ballast der Vergangenheit nochmal durchzustarten. Aber geht das überhaupt?

Die meisten von uns schleppen die Dinge ihrer Vergangenheit mit sich herum. Viel zu viel davon haben wir verdrängt und nicht bewältigt. Unbearbeitet und manchmal kaum zu (er)tragen, schleppen wir unsere Dinge durch das Leben und belasten im schlimmsten Fall auch die, die wir lieben. Kann es sein, dass das Gefühl der Enge, der Ruhelosigkeit und das Bedürfnis nach dem scheinbar zwanglos leichten Neuanfang am anderen Ende der Welt eine Flucht ist vor den Dingen, die in uns drin nach Bearbeitung schreien?

Es fällt auf, wie viele von uns versuchen, die eigenen Altlasten in der Ferne loszuwerden. Sabbatical, Jakobsweg. Surfschule in der Südsee. Und so weiter und so fort…

Man kann zu vielen Reisen aufbrechen. Aber die eigentliche Frage ist doch die: Egal wie weit wir reisen, wie schnell wir weglaufen, können wir der Vergangenheit  jemals entkommen?

Der chinesische Gelehrte Konfuzius hat mal gesagt: „Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.“

An Tagen, wo mich die Ruhelosigkeit antreibt, versuche ich mich zu fragen, ob ich wohl mit ganzem Herzen gehen würde. Ich glaube inzwischen fest daran, dass die Welt, so wundervoll sie auch ist, uns keinen Frieden schenken kann. Den findet man nur in sich selber.

Neulich habe ich mein E-Mail-Postfach sortiert und im Spamordner zahlreiche Mails von einer AOL- Adresse entdeckt. Sie alle kamen von einem Geist aus meiner Vergangenheit. Ich hatte keine Ahnung davon, dass „America online“ noch immer online ist und noch weniger von der Existenz der Gefühle dieses Menschen aus einem anderen Leben. Beide gibt es noch. Und der Geist meiner Vergangenheit hat den Teil seines Herzens, den er einst mir geschenkt hat, bis heute nicht neu besetzt. Wohin er auch gegangen ist, er hat diesen Teil seines Herzens zurück gelassen. Ich weiß nicht, was ich von Erkenntnissen wie dieser halten soll. Da ist jemand aus meinem Leben gegangen, um in der Ferne glücklich zu werden, aber den Teil von sich, mit dem er glücklich sein wollte, hat er zurück gelassen.

Jeder muss seinen Weg gehen und jeder kann umkehren, wenn er sich verlaufen hat. Aber wenn es jemanden gibt, den wir im Herzen mitnehmen, wohin wir auch gehen, dann ist es möglicherweise an der Zeit, an den Ort zurückzukehren, wo unser Herz sein möchte. Niemand von uns hat ewig Zeit. Denn eines ist sicher. Das Leben geht weiter. Aber irgendwann ohne uns.

Alles Liebe

Pauline

 

 

Von Frau zu Frau – die Zweite

Pferderennen und Bundestagswahl…

Deutschland wählt in den nächsten Tagen einen neuen Bundestag. Wenn man offiziellen Umfragen glauben darf, dann wissen auch wenige Tage vor der Wahl fast vierzig Prozent der Wahlberechtigten noch nicht, wem sie am kommenden Sonntag ihre Stimme geben. Auch ich gestehe an dieser Stelle, dass ich mich schwer damit tue, einer der Partei mein Vertrauen zu schenken.

Ich habe mir die Mühe gemacht, mehrere der zahlreichen Debatten, Wahlwerbespots und Interviews zum heißen Thema Wahl anzuschauen. Und muss zugeben, dass ich so schlau wie vorher bin. Und mindestens so unsicher…

Bei jeder Wahl geben wir mit unserer Stimme die Verantwortung für unsere Zukunft in die Hände einer Partei. Und nach jeder Wahl müssen wir erkennen, dass das Versprechen, mit dem eine Partei unsere Stimme gewonnen hat, nun ja… eben nicht viel mehr als das Blaue vom Himmel war.

Die anstehende Wahl macht mich umso nachdenklicher, weil ich glaube, dass die Politik der letzten Jahre zu den zahlreichen bestehenden Baustellen noch etliche neue geschaffen hat.

Ich bin Single, und ich bin Mutter. Eingeweihte wissen, welchem Dilemma sich Frauen wie ich täglich gegenüber sehen. Inzwischen gibt es zwar viele Kitas, aber wie viele davon ermöglichen Müttern einen Arbeitsbeginn vor Sonnenaufgang? Welche betreuen die Kinder von Krankenschwestern abends? Und warum ist Politik nicht in der Lage, für ausreichend engagierte Lehrer zu sorgen, damit die Arbeitnehmer von morgen noch in der Lage sind, ihren Namen in Schreibschrift und das kleine 1×1 ohne google hinkriegen?

Wie viele Menschen in meinem Alter mag auch ich nicht an meine Rente denken, ohne dass mir schlecht wird. Jaja, Herr Riester beschloss einst… Die schlichte Wahrheit ist doch die, dass man sich auch einen Riestervertag erst mal leisten können muss.

Asylpolitik, ein Thema, welches allerorts Gemüter erhitzt. Mir ist durchaus bewusst, dass man schnell nach „rechts außen“ sortiert wird, wenn man kritische Gedanken äußert. Dies ist eine Entwicklung, die mich traurig macht. Ich wurde in eine Welt geboren, in der Meinungen nicht frei waren. Und bin stolz darauf, dass in diesem Deutschland Gedanken frei und Meinungsfreiheit verbrieftes Recht sind. Und so wage ich es, mir hin und wieder die Frage zu stellen, wieso sich unter ungezählten Flüchtlingen aus syrischen und anderen Kriegsgebieten so überdurchschnittlich viele junge Männer befinden? Was ist mit den Frauen und Kindern aus selbigen Krisengebieten?

Warum quält sich die Justiz in diesen Tagen durch einen Mordfall, in dem weder Herkunft noch Alter des Täters bekannt sind, weil er ohne Papiere in dieses Land kommen durfte?

Ich bin absolut nicht rechts, sondern heiße jeden Menschen aus einer anderen Kultur von Herzen in meiner Heimat willkommen, der zur Integration bereit ist. Dazu gehört meiner Meinung nach in allererster Linie das Erlernen der deutschen Sprache und die Achtung landesüblicher Sitten. Letzteres ist für mich in anderen Ländern eine Selbstverständlichkeit.

Stattdessen stellt unser Land sich auf Sitten und Gebräuche unserer Migranten ein. Und gibt einen Teil eigener Kultur auf. Übertrieben? Fragen Sie mal Pippi Langstrumpf oder Jim Knopf. Oder meinetwegen den Sarottimohren. Aber lassen wir das…

Ich könnte an dieser Stelle unendlich Themen aufzählen, die nicht nur Frauen bewegen… Unsere Politiker haben ganz sicher für jedes einzelne davon wortgewandte Ideen, wie sie jedes Problem anzugehen gedenken.

Eine der Fragen, die mich bewegen, durfte ich neulich einem unserer Spitzenkandidaten zum Thema Bildungspolitik stellen:

Mein blonder Nachwuchs wartet seit vier Jahren auf einen Studienplatz der Humanmedizin. Es mangelt dem Kinde keineswegs an Intelligenz und noch weniger an Kompetenz. Es mangelt dem Staate an Hochschulplätzen und den Menschen in unserem Land an Ärzten. Der Spitzenkandidat widmete mir und des Kindes Sorgen seine volle Aufmerksamkeit und versicherte mir, dass auch dieses Problem kein unbekanntes sei. Und er drückte meinem Töchterlein seine Hochachtung aus. Sprachs und verschwand in der Menge. Und während ich noch über den Inhalt dieser Aussage nachdenke, arbeitet mein Kind hingebungsvoll in der Pflege.

Wen also wählen? Auch wenn es mit Sicherheit politisch nicht korrekt ist, könnte es durchaus eine Alternative sein, auf das Pferd zu setzen, dessen Foto mir am meisten zusagt. Denn eines ist sicher:

Im Wahlkampf ist es wie im echten Leben: Machen ist wie versprechen. Nur krasser.

Bleiben Sie dran,

Pauline

Von Frau zu Frau – die Erste

Eigentlich wollte ich meinen Einstieg bei Ostsachsen.tv anders bewerben. Keinesfalls im Zusammenhang mit einer Bundestagswahl…

Aber wie schon meine Oma Stock sagte, ist „eigentlich“ ja schon eine Geschichte. Wenn wir schon dabei sind, werde ich an dieser Stelle die Katze aus dem Sack, oder besser die Pauline auf Ostsachsen TV lassen. Und das kam so:

Neulich bat mich der Betreiber von Ostsachsen TV, den Internetauftritt des Senders ganz unvoreingenommen zu bewerten. Hab ich gemacht. Wer mich kennt weiß, dass ich rede, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Also bekam der Herr von mir zu hören, dass ich Politik und Nachrichten gesehen, die  Unterhaltungsrubrik aber leider vermisst habe.

Und nun sitze ich, Pauline Werner, Autorin von „Der Nächste bitte…!“ und Kolumnistin des „Provinzgeschnatter“, beheimatet im südlichen Mittelthüringen, (momentan virtuell) auf einer Couch bei einem kleinen Sender irgendwo in der Lausitz.

Bis heute waren hier die Männer in der absoluten Übermacht. Politisch gesehen ist für Ostsachsen TV mit meiner Besetzung die Frauenquote erfüllt. Die eigentliche Vision ist eine andere: Provokant, frech und unabhängig möchte ich Themen ansprechen, die Frauen bewegen. Von Frau zu Frau also.

Weil „Der Nächste bitte…!“ sozusagen als Schlachtruf für den politischen Journalismus bei Ostsachsen TV genutzt worden ist, liegt es nahe, dass die anstehende Wahl als erstes Thema auf meinem virtuellen Sofa „Von Frau zu Frau“ diskutiert wird.

Bleiben Sie dran, Ihre Pauline