Das Fest der Liebe?

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Man sagt ja, Weihnachten sei das Fest der Liebe. Ah jaaa…

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Als ich ein Kind war, war Liebe in meiner Welt eine Selbstverständlichkeit. Nicht nur in der Weihnachtszeit. Sie war in jeder Geste meiner Mutter, in jedem Lachen meines Vaters. Weihnachten dagegen war für mich vor allem Rot und Grün und Gold. Und süße Düfte. Gänsebraten und Schokolade. Heimlichkeiten. Ich glaubte mit der ganzen Kraft meiner Kinderseele an die Magie von Weihnachten.

Auch wenn ich den Kaufmannsladen nie bekommen habe, den ich mir sehnlichst wünschte, glaubte mein Kinderherz fest an die Magie der Weihnachtszeit. Und an den Weihnachtsmann sowieso.. Weihnachten war eine Zeit voller Wunder. Verschneit und friedlich.

Dann bin ich älter geworden und begann, mir zum Thema „Fest der Liebe“ eigene Gedanken zu machen:

Jeder halbwegs normal gestrickte Grundschüler kommt ganz fix dahinter, wer die Weihnachtsgeschenke bringt. Der Glaube an Weihnachten beginnt zu bröckeln.

Nehmen wir das Märchen mit der verschneiten Welt. Statistisch gesehen reicht es in unseren Breiten höchstens alle vier Jahre für weiße Weihnachten. In den anderen drei Jahren können wir froh sein, wenn der Heilige Abend nicht ähnlich feuchtgrau daherkommt, wie manche Tage im August.

Und das Ding mit dem Weihnachtsfrieden: Von außen betrachtet, scheint es doch eher so, dass weihnachtlicher Frieden unter deutschen Weihnachtsbäumen viel zu oft schon an den Erwartungen scheitert, die die Beteiligten aneinander haben:

Vielleicht ist es das neue Bügeleisen, das Liebeling der Liebsten in der besten Absicht schenkt, ihr die Hausarbeit zu erleichtern. Schließlich versprach die Fernsehwerbung, dass das verhasste Bügeln mit diesem Teil ein Kinderspiel und sozusagen von allein und nebenbei geht. Die Liebste dagegen schmollt, weil er – beste Absicht hin oder her – noch immer nicht begriffen hat, dass ein Geschenk niemals und unter keinen Umständen ein Kabel haben darf. Versteht dieser Mann sie denn überhaupt nicht? Die hübschen Ohrringe, die sie neulich beim Juwelier ihrer Träume bestaunt hat, hätten sie glücklich gemacht. Doch statt ihre Wünsche zu erfüllen, lungert der Liebste in Jogginghosen unterm Baum und zerstört den letzten Rest ihres Glaubens an weihnachtliche Romantik. Derweil der Schuft in Jogginghosen gar nichts mehr versteht. Er will doch nur seine Ruhe.

Dann wäre da noch die Liebe. Viele von uns haben im Lauf der Jahre die eine oder andere Erfahrung in Sachen Liebe machen müssen, die sie künftig bereits beim Gedanken an dieses große Gefühl Kopfschmerzen verspüren lässt. Für sie ist Liebe nur noch ein Wort.

Angesichts derlei desillusionierender Erkenntnisse kam ich nicht um die Frage herum, ob „Das Fest der Liebe“ tatsächlich nichts als Illusion ist? Und wenn ja, wieso geben wir uns dieser Illusion alle Jahre wieder aufs Neue hin?

Meine Oma Stock pflegte zu sagen, dass Liebe alles ist. Und dass ohne Liebe alles nichts ist. Sie zitierte damit den Apostel Paulus und der musste es ja wissen, schließlich ist er Teil des Neuen Testaments. Ich bin lange skeptisch geblieben, habe wie viele andere nur an das geglaubt, was greifbar, für den Verstand plausibel und für das Auge sichtbar ist. Es hat ein Weilchen gedauert, bis ich dahinter gekommen bin, dass Liebe und Magie, genauso wie das Rot und Grün der Weihnachtszeit diese kleinen Geschenke sind, die mein Leben leicht machen und mein Inneres warm.

Vielleicht ist es mit Weihnachten so, wie mit der Liebe: Man muss daran glauben.

Mit diesen Gedanken wünsche ich Euch allen, dass Weihnachten rot und grün und golden ist. Und voller Magie. Ein Fest der Liebe eben.

Kommt gut und glücklich ins neue Jahr. Bleibt neugierig, offen und mir gewogen. Und vor allem: Bleibt bei Euch selbst!

Bis die Tage

Pauline