Gerechtigkeit – Was ist das?

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In Zeiten des Wahlkampfs geht es immer wieder besonders um Gerechtigkeit, die versprochen wird. Was aber ist das überhaupt Gerechtigkeit? Ein allgemeiner frommer Wunsch, alles möge gut und gerecht zugehen ? Aber sieht das nicht jeder durch seine Brille und verfolgt auch seine eigenen Interessen.

Die Philosophen und Soziologen haben dazu einige Gedanken entwickelt; sie reden von unterschiedlichen Arten von Gerechtigkeit:

  • Bedarfsgerechtigkeit meint, dass jeder das bekommt, was er zur Sicherung seines individuellen Bedarfs ( z.B. des Existenzminimums ) benötigt.
  • Leistungsgerechtigkeit bedeutet: Jeder soll das bekommen, was seiner eigenen Leistung entspricht.
  • Chancengerechtigkeit : Auf die Teilhabe an Bildung, dem Arbeitsmarkt und gesellschaftlichen Leben hat jeder Bürger die gleiche Chance.
  • Einkommensgerechtigkeit bedeutet: Jeder verfügt über gleiche Einkünfte.
  • Generationengerechtigkeit meint: Auch jede Generation verfügt über die gleichen Chancen.
  • Regelgerechtigkeit : Die gleichen Regeln gelten für alle Bürger.

Was „gleich“ und was “ ungleich“ ist, darüber lässt sich im Einzelnen trefflich diskutieren. Darum soll es hier aber nicht gehen.

Man braucht nur wenig Phantasie für die politischen Auswirkungen unterschiedlicher Vorstellungen von Gerechtigkeit. Wer den Schwerpunkt auf Bedarfsgerechtigkeit legt, wird eher eine Umverteilung von den Reicheren zu den Ärmeren fordern. Wer die jeweils eigene Leistung als Maß für Gerechtigkeit herausstellt, wird eher der Ansicht sein, Arbeit, Verantwortung und Risiko müssten sich lohnen.

Mit unserer Stimme an der Wahlurne übertragen wir den dann gewählten Abgeordneten erhebliche Macht, um mit tausenden Gesetzen und Entscheidungen jeweils das Gerechte zu definieren. Noch bevor darüber dann später erst ein Richter entscheiden wird, der gerade an diese Gesetze gebunden ist.

Stellen wir also die Kandidaten die scheinbar einfache Frage: “ Was ist für Sie denn gerecht? “ Oder auch in Verbindung mit einem konkreten Problem “ Finden sie das gerecht und richtig ?“

Die Antwort kann uns Orientierung dafür geben wie das Wertesystem des zukünftigen Abgeordneten aussieht. Und vielleicht handelt er ja später wie wir es erwarten.
Mancher sagt, für diese wage Hoffnung mache ich mir gar nicht erst so eine Mühe. Oder geht gar nicht erst wählen. Mit einer solchen Haltung unterstützen wir aber nur diejenigen, die die jeweils ander Auffassung vertreten.

Wir sollten unsere Zukunft selbst so gut wie möglich in die Hand nehmen. Ein erster Schritt für eine gerechte Gesellschaft war die Einführung des allgemeinen Wahlrechts. Nutzen wir es, um die Gesellschaft in die aus unserer Sicht richtige Richtung zu entwickeln.

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