Digitaler Nachlass geht auf Erben über

Der Bundesgerichtshof ( BGH) hat endlich über den digitalen Nachlass entschieden. Ein Thema, bei dem in der Zukunft viel Handlungsbedarf entstehen wird. Erben treten nun auch in der digitalen Welt in alle Rechte und Pflichten des Verstorbenen ein. Das Kammergericht in Berlin hatte dies zuvor noch anders gesehen. Die Erben dürfen jetzt auf Online-Konten jeder Art zugreifen. Die Rechte der anderen Kommunikationspartner bei Facebook und sonstigen Plattformen treten so in den Hintergrund. Das war allerdings früher auch schon bei Briefen und Tagebüchern der Fall. Aufzeichnungen und Kommunikation mit höchstpersönlichen Inhalten gehen auf die Erben über.

Dennoch haben Kommunikationspartner zum Beispiel bei intimen Inhalten oder sonstigen berechtigten Interessen einen Anspruch auf Lösung. Diesen müssen sie jetzt bei den Erben geltend machen. Die Erben sind dafür zuständig, sich um alle Angelegenheiten zu kümmern.

Häufig haben  die Erben keine Kenntnis davon, welche Emailkonten überhaupt vorhanden sind. In welchen sozialen Netzwerken war der Verstorbene aktiv? Welche Accounts gibt es, zum Beispiel bei  Einkaufsplattformen ? Digitale Werte gibt es ebenso wie digitale Verpflichtungen. Mancher hat Guthaben bei Bezahldiensten oder Kryptowährungen. Und natürlich kann es auch um Urheber- und sonstige Rechte gehen.

Spätestens bei der Berechnung von Pflichtteilsrechten wird es auch um die Auskunft und Bewertung digitaler Hinterlassenschaften gehen. Allgenmein kann deshalb empfohlen werden, den Erben  eine möglichst vollständige Auflistung derartiger digitaler Bestände an die Hand zu geben.

Die Entscheidung des BGH ist kein Schlusspunkt, sondern der Beginn zahlreicher neuer Fragen im Erbrecht. Wie sollte es anders sein ? Denn die digitale Welt stellt an vielen Stellen unseres Gemeinwesens neue Fragen. Die Gerichte und die Gesetze müssen uns Antworten darauf geben, damit wir uns darauf einrichten und rechtssicher verlassen können.

Veröffentlicht von

Arno Glauch

Seit 1994 Rechtsanwalt in Bautzen, Fachanwalt für Strafrecht. Schreibt - über das gefühlte Unrecht, welches uns in den verschiedenen Bereichen unseres Lebens über den Weg kommt. Weiß - dass Recht und Gesetz selten identisch sind. Beobachtet - das Zeitgeschehen und seine Mitmenschen. Wertet - stets subjektiv und einseitig Kämpft - für eine bessere Welt.