Landkreise arbeiten in Katastrophenvorsorge zusammen

Die Nachbarlandkreise Görlitz und Zgorzelec arbeiten an einer Strategie zum Katastrophenschutz rund um das Einflussgebiet der Neiße. Der Auslöser dazu liegt inzwischen knapp acht Jahre zurück. Im August 2010 hatte die Stadt Görlitz Glück im Unglück. Über viele verschiedene Quellen wurde aus Polen gemeldet, dass der Witka-Staudamm gebrochen sei und eine Flutwelle die Neiße herunterströmt. Polizei und Feuerwehr hatten lediglich ein geringes Zeitfenster, um Görlitzer Anwohner/innen und Unternehmer/innen in Ufernähe vorzuwarnen und in Sicherheit zu bringen. In Ostritz hingegen kamen die Warnungen zu spät und große Teile des Ortes wurden überflutet.

Trotz dieser kurzfristigen Maßnahmen war der entstandene Schaden auch in Görlitz groß. Vor allem Sachschäden, die Existenzen bedrohten und teilweise zerstörten, mussten hingenommen werden. Bei einer schnelleren Informationsübermittlung und -verbreitung und einer besseren grenzübergreifenden Einsatzplanung wäre zum einen die Bevölkerung und zum anderen der Katastrophenschutz besser auf ein solches Ereignis vorbereitet gewesen und hätte effizienter handeln können.

Um die Bevölkerung in Zukunft erfolgreicher schützen zu können, haben sich im Jahr 2012 die Landkreise Görlitz und Bautzen und auf tschechischer Seite der Landkreis Liberec für ein Katastrophenschutz-Projekt zusammengeschlossen. Ziel des Projektes war die Entwicklung und Etablierung der Anwendung „MobiKat“ – eine Software im Bereich der Feuerwehren, Katastrophenschutzeinheiten, des Rettungsdienstes sowie weiterer Fachdienste (Lebensmittelüberwachung-Veterinär). Mittels dieser Anwendung hat die interessierte Bevölkerung über eine Online-Plattform unter anderem Zugriff auf Pegelstände und Live-Bilder ausgewählter Web-Cams.

Um auch den polnischen Landkreis Zgorzelec mit einbeziehen zu können, arbeiten die beiden Nachbarlandkreise gemeinsam seit Ende 2016 an einer Erweiterung des Programms. In erster Linie wird eine Schnittstelle zur Dateneinspeisung polnischer Informationen geschaffen. Außerdem werden die Kommunikationswege kürzer und effektiver gestaltet, um im Notfall zu jeder Tages- und Nachtzeit den zuständigen Entscheidungsträger zu erreichen.

Das Projekt befindet sich aktuell in der Halbzeit. Verschiedene Schwerpunkte sind schon erfüllt oder zumindest bereits in Auftrag gegeben. So wurde zum Beispiel eine Gefährdungsanalyse für das gesamte Projektgebiet erstellt. Auf Grundlage dieser Ergebnisse wird auch das MobiKat weiterentwickelt und fortwährend angepasst.

„Wir wollen erreichen, dass das Programm im Jahr 2020 eingesetzt werden kann. Es wird uns maßgeblich dabei unterstützen, die Neißebewohner/innen zu schützen. 2010 darf sich nicht wiederholen“, äußert sich Mario Schurmann, Sachbearbeiter im Amt für Brandschutz, Katastrophenschutz und Rettungswesen im Landkreis Görlitz und zuständiger Sachbearbeiter für die Bearbeitung der Fördermittel.

Das Projekt wird durch die Europäische Union aus den Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen des Kooperationsprogramms INTERREG Polen-Sachsen 2014-2020 finanziert.