Leipzig, „Lafeya“ und die Lust zu leben

Mein erstes Mal mit „Driftwood Holly“ hatte ich an einem kalten Dezemberabend. Musikalisch versteht sich.

Ich war unterwegs zu meiner Lesung in Bad Tabarz und gelinde gesagt leicht lampenfieberig. Meine Freundin Herzi legte „Aura Borealis“ ein und während ich nervös „Mothers“ lauschte, spürte ich, wie die Spannung sich allmählich zu lösen begann. Diese Stimme! Kraftvoll und ehrlich. Dem Typen würde ich ohne zu zögern den Kumpel von nebenan abnehmen. Mit denselben Träumen und Ängsten, wie ich sie selber habe. Und dann diese Geige! Ich war völlig gebannt. Während Herzi schnatternd in Richtung Bad Tabarz tuckerte, ließ ich mich von Stimme und Geige davontragen.

Gänsehäutig lauschte ich „Lafeya“ und bin in diesem Moment „Driftwood Holly“ verfallen. Ehrfürchtig wünschte ich mir, dass es mir gelingen möge, mein Publikum an diesem Abend ebenso mitzunehmen, wie diese Stimme und der zauberhafte Klang der Geige es mit mir getan hatten.

Wieder daheim verriet mir das Internet interessante Details über „Driftwood Holly“, der aus Oberwiesenthal stammt und auszog, um die Welt zu entdecken. Vielleicht auf der Suche nach sich selbst?

Neulich brachen wir Mädels nach Leipzig auf, weil „Driftwood Holly“ dort ein Konzert gab. Doch bevor wir die Moritzbastei stürmten, war natürlich ausgiebigstes Stadtbummeln angesagt. Gleich im ersten Laden war es Liebe und wir schritten beschwingt mit nagelneuem Kleidchen aus dem Geschäft.

Wir sind Mädchen, was bedeutet, dass uns Klamottenshopping zwar glücklich, aber keineswegs zufrieden macht, solange andere Bedürfnisse ungestillt sind:

Also krähte Herzi nach Rotwein, Hilde hatte Hunger und ich musste… naja lassen wir das… Wir brauchten dringend einen Ort, an dem all diese Wünsche gleichzeitig zu erfüllen waren.

Auerbachs Keller! Der versprach neben richtig gutem Essen einen Hauch von Spannung und ein bisschen Kultur. Immerhin soll Faust in diesem Gewölbe einst seine Seele an den Teufel verkauft und noch ganz andere Sachen getan haben.

Soweit kam es für uns Mädels natürlich nicht, aber wir speisten göttlich und machten nebenbei die Bekanntschaft eines wahren Paradiesvogels nebst seiner beiden Windhunde. Den Namen habe ich vergessen, nicht aber die Information bezüglich seiner Beinlänge, die ihn in eine Liga mit hochkarätigen Supermodels katapultiert habe. Nun sei er selbst ein solches und außerdem Schauspieler an der Seite bekannter Stars. Mit einem Blick auf Herzi hielt er inne und betonte, dass der sie glatt heiraten würde, wenn er doch nur heterosexuell sei.

Kinner nee… Leipzig lebt eben anders.

Mit Mühe hielten wir unsere Mimik unter Kontrolle, als wir über die hingestreckten Hundeviecher Richtung Ausgang torkelten und ich direkt in die Arme eines echten Künstlers:

Arne Schmitt, Pianist und Reisender, der mich schon an verschieden Orten der Welt mit seinem Piano bezaubert hat. Spontan spielte er „Sacrifice“ von Elton John für uns Mädels. Nicht nur ich war hin und weg. Was für ein Tag!

Wie beflügelt schwebten wir in der Moritzbastei ein. Bereit für „Driftwood Holly“, die mit wunderbarer Musik voller Leidenschaft und Lebensfreude die Menge verzaubert haben. Holly ist nicht nur ein unglaublich guter Sänger, mit kleinen Anekdötchen aus seinem Leben zog er wirklich jeden in seinen Bann. Dass die Stimmung in der Moritzbastei gigantisch war, muss ich niemandem erzählen, der jemals „Driftwood Holly“ gehört hat. Mir persönlich gefiel die Geschichte über seinen Kumpel im Knast richtig gut, mit der er in köstlichstem sächsisch eine Jonny Cash Nummer anmoderiert hat.

Hach, was hatten wir Spaß mit „Driftwood Holly“ Ich war hin und weg, als er „Lafeya“ anstimmte, begleitet von dieser wundervollen Geige Oder ist es eine Violine? Pavel Osvald möge mir und meiner Unwissenheit vergeben, ich war von seinem Spiel einfach hingerissen.

Ich glaube, dass ich lange nicht so mit mir selber im Reinen gewesen bin. Denn Leichtigkeit und Lebensfreude sind die Begleiter, die ich dauerhaft im Leben haben möchte. Oder wie ein weiser Mensch mal gesagt haben soll: “Leben ist das, was wir draus machen“.

Bis die Tage

Pauline