MDR: Politisch korrekt oder einfach nur daneben?

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Ist es heute schon unkorrekt eine Debatte darüber zu führen, welche  Sprache und welches Verhalten politisch korrekt ist?  Der MDR hat ja nun Erfahrungen damit gemacht. Sicher war das Gespräch über politische Korrektheit etwas reißerisch damit angekündigt, ob man das „N-Wort“ noch sagen dürfe. Aber es traf ja durchaus den Kern des Problems. Den einen geht es darum, Minderheiten stärker zu achten und jeden Anschein von Diskriminierung zu vermeiden. Die anderen wollen an Gewohntem festhalten, auch übertreiben dürfen und haben Angst die Wahrheit nicht mehr sagen zu dürfen. Es geht um wichtige Grundregeln in unserem Staat und unserer Gesellschaft. Dazu gehört die in Art. 5 des Grundgesetzes geschützte Meinungsfreiheit. Dort heißt es auch: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Gemeint ist damit das Verhältnis zwischen Staat und dem Bürger. Die Freiheit in einer Gesellschaft kommt allerdings auch in dem Umgang der Bürger mit einander zum Ausdruck. Und da gibt es seit ein paar Jahren eine Menge Worte, die man tunlichst in der Öffentlichkeit nicht mehr aussprechen sollte. Jedenfalls derjenige nicht, der seine Ruhe haben und nicht als Radikaler gelten will. „Neusprech“ – so nannte das George Orwell in seinem Roman 1984, vor 70 Jahren geschrieben. Dabei geht es darum, die „Bandbreite der Gedanken einzuengen“.  Befürworter wie Gegnern sehen das eigentlich sehr ähnlich. Die einen wollen die Freiheit der Gedanken einschränken, die anderen gerade nicht. Und das trifft auf eine gesellschaftlich zunehmend angespannte Situation, in denen manche Kreise mit den jeweils anderen gar nicht mehr reden wollen. Und jetzt wird schon die Diskussion darüber abgesagt ! Zensur im rechtlichen Sinne ist das natürlich nicht, weil der Staat nicht beteiligt ist. Aber ein schlechtes Zeichen für Land, in dem wir  gerne  leben.

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