Offline ist das neue sexy!

Endlich, mein Meister und Vorgesetzter überreicht mir meinen ersten eigenen Pager. Über ein halbes Jahr habe ich diesem Gerät hinter gefiebert, habe mit guten Leistungen und Überstunden mir die Anerkennung meiner Vorgesetzten, Kollegen und auch unseren internen Kunden erarbeitet. Wenn man in unserer Firma einen Pager hat, dann ist man wer, dann hat man es geschafft. Ab sofort gehörte ich zur technischen Elite im Unternehmen.
Zur Erklärung für die jüngeren Leser. Wir schreiben das Jahr 1983. Smartphones und Wisch-und-Weg Technologien noch nicht einmal gedanklich in weiter Zukunft absehbar. Der Pager war ein Gerät, das gepiepst hat, wenn man gesucht oder gebraucht worden ist. Sobald der Pager piepste suchte man sich ein festinstalliertes Telefon und rief eine bestimmte vordefinierte Nummer an. An der anderen Leitung meldete sich dann jemand, der Hilfe von einem benötigte. Ich war also extrem stolz einen eigenen Pager zu haben. Doch mit der Zeit änderte sich meine Einstellung zu diesem Gerät. Immer wenn das Gerät piepste bedeutete das auch zwangsläufig mehr oder zusätzliche Arbeit. Ich hatte ja noch genug zu tun und bei jedem weiteren Piepsen kamen weitere Aufgaben zusätzlich hinzu. Langsam verstand ich mehr und mehr, warum die alteingesessenen Techniker und Ingenieure keine Pager mehr hatten. Kein Pager bedeutete keine zusätzliche Arbeit. Schlagartig änderte sich meine Einstellung zu diesem Gerät. Man gehört zur wirklichen Elite, wenn man kein Pager mehr hatte. Und so begann ich daran zu arbeiten, dieses Gerät so schnell wie möglich an einen jüngeren Kollegen zu übergeben, was mir auch gelang.

Was ich mit dieser kleinen Geschichte erzählen möchte ist, dass sich die Welt des Strebens nach Anerkennung seither nicht groß verändert hat. Aus dem Pager ist das Smartphone geworden. Mit dem Unterschied, dass man nicht unbedingt mehr von jemanden angerufen werden muss um wichtige Informationen oder Anweisungen zu erhalten. Durch das Smartphone sind wir permanent on. Selbst nach Feierabend, am Wochenende und in den Ferien. Was waren das doch früher für schöne Zeit. 14 Tage Spanien ohne von irgendwelchen Informationen besucht zu werden. Wenn man zurückkam, war man wirklich erholt. Heute bin ich selbst in den Ferien up-to-date. Informationen jederzeit und überall verfügbar. Kein Wunder, dass unser Gehirn nicht abschalten kann und die Zahl der psychisch Kranken von Jahr zu Jahr weiter steigt. Liebe Leserinnen und Leser, gerade weil dieses jetzt im August die Urlaubsausgabe ist, möchte ich Sie daran erinnern, dass man ein Smartphone auch abschalten kann. Sie müssen nicht jederzeit und überall erreichbar sein. Auch Kunden haben mittlerweile verstanden, dass auch Sie, ja genau Sie, Urlaub haben dürfen. Gönnen Sie sich doch ruhig einmal Urlaub von Ihrem Smartphone. Genießen Sie die Natur, das Meer, die Bergluft oder was Sie auch immer noch tun. Gehen Sie einfach mal ausgiebig speisen, ohne Zeitdruck und trinken Sie vielleicht auch ein Schlückchen mehr Wein. Familie, Freunde, Kinder und auch Ihre Gesundheit werden sich freuen. Tun Sie ruhig mal wirklich nichts. Das mache ich nun auch und wünsche Ihnen schöne Ferien. Off sein ist sexy.

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