Stilvolle Tischmanieren Teil 1 „So punkte ich als Gastgeber“

Stilvolle Tischmanieren kommen nie aus der Mode. Meine nächste Kolumne widme ich als 3-Teiler dem Thema „Tischmanieren – Tischsitten – Restaurant Knigge“.

Gutes Benehmen macht einfach Spaß und wirkt sympathisch. Wer die Etikette kennt, kann in bestimmten Situationen damit auch locker umgehen und passt sich damit automatisch an die Gesellschaft an.

„Wer die Gesellschaft nicht entbehren kann, sollte sich ihren Gebräuchen unterwerfen, weil sie mächtiger sind als er.“ (Adolph Freiherr von Knigge)

Wussten Sie eigentlich, dass es schon vor 4500 Jahren eine hohe Tugend war, die Etikette bei Tisch zu kennen? Zu Zeiten des ägyptischen Königs Asosi verfasste dessen höchster Verwaltungsbeamter und oberster Richter Ptahhotep das Regelwerk „Weisheitslehre“, welches auch die Regeln bei Tisch enthielt.

Durch die vielen Kreuzzüge kamen die ersten Tischregeln auch nach Mitteleuropa.

Die Wurzeln der „deutschen“ Tischetikette haben wir jedoch dem französischen Sonnenkönig zu verdanken. Er hatte seinen Tag bis ins letzte Detail „durchgeplant“ und alle Abläufe bei Hof – auch zu Tisch – protokolliert und reglementiert.

Stilvolle Tischmanieren fangen beim Gastgeber selbst an. Dennoch sind viele Menschen in der Rolle als Gastgeber oft verunsichert, um diese „Rolle“ galant zu meistern.

Wer die Etikette-Regeln als Gastgeber kennt, führt seine Gäste stilsicher durch den Abend, den Tag oder den besonderen Event. Das Wohlfühlen der Gäste steht immer an erster Stelle. Als Gastgeber sind Sie der Regisseur, der seine Gäste galant führt.

„Ohne gutes Essen, guten Wein und gute Freunde kann man nicht feiern.“ (Vico von Bülow)

Damit sich Ihre Gäste rundum wohl fühlen, sollten Sie 5 wichtige Punkte beachten:

Tipp Nr. 1 „Das gekonnte Einladungsmanagement“

Einladungen auszusprechen ist oft schwieriger als getan. Dazu gehören viele Überlegungen im Vorfeld dazu: wozu spreche ich die Einladung aus, wer versteht sich gut oder weniger gut mit den anderen Gästen, wo will ich feiern und möchte ich überhaupt Geschenke haben.

Eine sorgfältige Planung erleichtert vieles im Leben; so ist es auch bei Veranstaltungen. Dazu gehört auch, sich im Vorfeld Gedanken über den Anlass und die Uhrzeit zu machen.

Zu den klassischen Uhrzeiten für Einladungen zählen:

  • 11:00 Uhr für Empfänge (z.B. Jubiläum oder Taufe)
  • 12:00 Uhr für das klassische Mittagessen
  • 16:00 Uhr für die Einladung zum Kaffee (z.B. Geburtstag)
  • 18:00 Uhr für den Abendempfang (z.B. beim After-Work)
  • 19:00 Uhr für das Abend-Essen (z.B. Gala-Dinner)

Auf eine ordentliche Einladung gehören folgende Punkte:

  • Die persönliche Anrede der Adressaten in der Anrede und im Briefkopf. Ich empfehle Einladungen immer handschriftlich auf einem hochwertigen Papier zu verfassen.
  • Definieren Sie in der Einladung folgende Dinge klar und deutlich: den Ort der Veranstaltung, die Zeiten, den Anlass, kurze Details über die Veranstaltung sowie den Dress-Code. Sprechen Sie auch Empfehlungen für Übernachtungen (Hotels in der Nähe) und die Anreise (z.B. Bahnhof und Taxi-Nummer) aus.
  • Bitten Sie zur Planung Ihrerseits unbedingt um eine Antwort zur Planung und geben Sie dafür ein festes Datum vor.

Tipp Nr. 2 „Galant durch den Event führen“

Gastgeber sein will gelernt sein. Es gibt doch nichts Schöneres als einen gelungenen Abend mit zufriedenen Gästen zu verbringen, wo sich jeder Gast gerne an den Abend zurückerinnert.

Machen Sie alle Gäste miteinander bekannt und platzieren Sie nur Gäste nebeneinander, wo Sie auch wirklich wissen, dass diese auch Gemeinsamkeiten beim Small-Talk haben.

Sie „bestimmen“ die Regeln des Abends, egal ob Sie zuhause feiern oder im Restaurant. Empfangen Sie jeden Gast persönlich und begleiten Sie ihn zu seinem Platz. Sie können für diese ehrenvolle Aufgabe auch eine Vertrauensperson auswählen, die Ihnen behilflich ist.

Zeigen Sie den Gästen, wo sich die Garderobe und die Waschräume befinden. Nehmen Sie den Gästen auch gerne den Mantel ab, indem Sie fragen „Darf ich Ihnen behilflich sein?“ Bei größeren Festen empfehle ich eine Person, die sich als Guest Relation Manager wie in der Hotellerie um die Gäste kümmert.

Die berühmte Tisch- und Sitzordnung wirft oft Fragen oder Missverständnisse, wenn nicht sogar „Ärger“ unter den Gästen auf.

„Eine vollendete Gastgeberin erkennt man daran, dass sie alle bevorzugt und niemanden benachteiligt.“ (Vico von Bülow)

Damit sich keiner Ihrer Gäste benachteiligt fühlt, empfehle ich Ihnen folgenden Trick: Benennen Sie die Tischnamen mit Städtenamen, Blumennamen oder lustigen Anekdoten / Märchen.

Tipp Nr. 3 „Tischlein deck Dich“

Leben Sie selbst stilsichere Tischmanieren vor. Die Grundkenntnisse der Besteck-, Gläser- und Servietten-Sprache sollten Sie als Gastgeber kennen. Ebenso sollten Sie ein festliches Gedeck von einem einfachen Gedeck unterscheiden können.

Planen Sie beim Hauptgang immer eine Auswahl an Fisch, Fleisch, vegetarischen und veganen Gerichten mit ein. Bitten Sie Ihre Gäste in der Einladung auch, Sie darauf hinzuweisen, ob Allergien vorliegen. Machen Sie sich jedoch keinen Stress, alle Allergien berücksichtigen zu wollen. Das ist ein Ding der Unmöglichkeit.

Mein Tipp: Falls Sie sich mit den Tischgepflogenheiten nicht so ganz kennen, besuchen Sie einfach vor wichtigen Events, z.B. einer Hochzeit einen Knigge-Dinner-Kurs.

Tipp Nr. 4 „Der stilsichere Umgang mit den Getränken“

Wenn Sie Getränke selbst ausschenken, empfehle ich Ihnen eine passende Weinauswahl zum Essen vom Getränke- und Weinhändler Ihres Vertrauens zusammenstellen zu lassen.

Wenn Sie Rotwein servieren, sieht das immer schöner aus, wenn dieser elegant dekantiert ist. Wein, Champagner und Sekt sollten auch stilsicher entkorkt werden.

Ein Gläschen in Ehren ist nicht zu verwehren. Achten Sie selbst darauf, dass Sie in der guten Stimmung nicht zu tief ins Glas schauen, damit Sie den Überblick über den Abend behalten.

Bei besonderen Anlässen als Feier in einem guten Restaurant oder Hotel übernimmt diese Aufgabe auch der Sommelier des Hauses.

Tipp Nr. 5 „Die Gäste richtig verabschieden“

Vielleicht kennen Sie das selbst: Sie haben einen schönen Abend verbracht und haben den Abend gemeinsam mit Ihren Gästen sehr genossen. Es gibt jedoch den ein oder anderen Gast, den kein Zeitgefühl hat und nicht versteht, dass es Zeit ist, zu gehen.

Gäste daran zu erinnern, dass der Abend zu Ende ist, ist oft unangenehm, gehört jedoch zum souveränen Auftritt eines stilsicheren Gastgebers dazu.

Nutzen Sie das „5-Stufen-System“, um Gäste stilsicher zu verabschieden:

  1. Verabschieden Sie mit einer kleinen Dankesrede bei den Gästen mit dem dezenten Hinweis, dass sich auch das schönste Beisammensein dem Ende neigt. „Ich bedanke mich, dass Ihr meine Gäste wart und einen geselligen Abend mit mir verbracht habt. Ich freue mich auf unser baldiges Wiedersehen.“
  2. Bieten Sie noch einen letzten Drink an.
  3. Sagen Sie, dass Sie die Rechnung begleichen gehen als dezenten Hinweis zum Aufbruch.
  4. Bieten Sie den Gästen an, den Mantel zu holen, ein Taxi zu rufen und sie an die Tür zu begleiten.
  5. Falls das alles nicht klappt, kommen Sie sachlich und knackig auf den Punkt: „Es war mir eine Freude, dass wir du mein Gast warst, leider geht morgen um 6:00 Uhr mein Flieger, ich denke du hast dafür Verständnis, dass ich unseren Abend jetzt auflösen möchte.“

PS: In der nächste Kolumne geben ich Ihnen Tipps, wie Sie sich elegant in der Rolle als Gast bewegen.

Veröffentlicht von

Janine K. Pötsch

Janine Katharina Pötsch ist Deutschland bekannteste Expertin für stilsicheres Auftreten auf jedem Parkett, Knigge-Expertin und Management-Trainerin. "Persönlichkeiten, nicht Prinzipien bewegen die Welt" In meiner gesamten beruflichen Laufbahn habe ich immer meinen Mitmenschen geholfen, Ihre inneren Werte mit Ihrem äußeren Erscheinungsbild in Einklang zu bringen. Dazu zählt auch Persönlichkeits-Training, um Ihr Mindset zu (ver-)ändern und mit einem neuen Selbstbewusstsein zu punkten. Dank meiner authentischen, ehrlichen und frechen Art, meiner Expertise und meinen umfassenden Aus- und Weiterbildungen, sind meine Kunden immer wieder begeistert und positiv überrascht, wie klar ich Ihre Einzigartigkeit als Marke „Ich“ mit Ihren Persönlichkeit und den Botschaften Ihrer persönlichen Außenwirkung im Training und Coaching in Einklang bringe.