Von Frau zu Frau die Vierte: Novemberblues und Glaubenssätze

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Als mir im Spätsommer dieses Jahres Ostsachsen.TV die Mitarbeit angeboten hat, habe ich ein Weilchen darüber nachgedacht, was ich mit dieser neuen Herausforderung anfange.

Witzig, frech und mit einem Augenzwinkern habe ich über Jahre den Blog „Provinzgeschnatter“ geschrieben. Vier Freundinnen trafen sich immer wieder gerne, um über ganz alltägliche Problemchen und außergewöhnliche Sorgen reden. “Provinzgeschnatter“ gibt es in Kürze als Buch. Für mich geht damit ein großer Traum in Erfüllung, aber ich finde auch, dass sich damit ein Kreis schließt. Die vier Mädels haben genug geschnattert.

Dennoch erreichen mich aus Gesprächen, Mails und guter alter Leserpost immer noch Gedanken und Sorgen anderer, über die wir künftig an dieser Stelle reden werden. „Von Frau zu Frau“ sozusagen.

Statistisch gesehen soll ja der November der Monat mit den meisten Selbstmorden sein. Ich habe keine Ahnung, ob da was dran ist. Tatsache ist und bleibt aber, dass die graue Jahreszeit auch unsere dunkelsten Gedanken hervorholt.

Mehr als zu jeder anderen Zeit des Jahres bewegen manche von uns tiefgründige Fragen: Warum läuft das Leben nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe? Warum ist ein bestimmter Mensch nicht mehr bei mir? Wieso muss ich einen geliebten Traum aufgeben? Für welche Tat bestraft mich das Universum mit Einsamkeit? Einsamkeit, die viele von uns nicht nur an den bevorstehenden Feiertagen durchleiden, sondern in sich drin an jedem Tag fühlen.

Ich glaube, dass es einfach keine Antworten auf Fragen nach dem „Warum?“ gibt. Manchmal sind die Dinge so wie sie sind. Punkt.

Wenn wir ehrlich sind, müssen wir zugeben, dass wir die Geschenke, die das Leben für jeden von uns bereithält, höchst selten hinterfragen. Je nach eigenen Möglichkeiten können wir sie annehmen oder eben nicht. Keiner würde auf die Idee kommen, sich zu fragen, warum das Leben es gerade gut mit ihm meint. Doch wenn es uns schlecht geht, kommen wir sehr gerne auf diese Frage zurück…

Auch ich kenne Tage, da stehe ich vor einem Abgrund. Ich finde mich mittendrin wieder und habe nicht die Kraft, mein zersplittertes Ich einzusammeln und mich auf den mühsamen Weg nach oben zu machen. Weil mir die Hand fehlt, die mich aus dem Sumpf zieht, oder das aufmunternde Wort eines anderen Menschen. Momente, an denen ich schwer an der Weisheit des Universums zweifle und ernsthaft überlege, ihm die Freundschaft zu kündigen. Und während ich so in meinem Loch aus Kälte und Dunkelheit hocke, kommt mir irgendwann der Gedanke, dass nicht das Universum, sondern ich selber mein Leben gestalte. Nach meinen Möglichkeiten. Mit meinen Farben. Es ist allein meine Entscheidung, ob ich mein Herz öffne. Trotz allem, oder gerade weil.

Es liegt an jedem von uns, an eigenen Glaubenssätzen zu arbeiten… Nichts liegt mir ferner, als das an dieser Stelle vorgefertigte Sprüchlein der Marke „Geh wohin dein Herz dich führt“, zu zitieren… Dieser funktioniert leider nur, wenn sicher ist, dass das Ziel für besagtes Herzchen auch erreichbar ist. Die Wirklichkeit zeigt nämlich, dass das ersehnte Ziel nicht selten hinter dicken Mauern am anderen Ende einer Sackgasse verschanzt ist. Mauern, die schlimme Schrammen am eigenen Seelchen verursachen, aber dennoch unüberwindbar bleiben.

Vielmehr geht es um Glaubenssätze wie „Ich kann das nicht.“ oder „Ich habe Angst.“ Wer es schafft, diese Glaubenssätze umzuwandeln in „Ich hab eine Scheißangst, aber ich kann das trotzdem…“, der wird vielleicht erstaunt sein, welche Türen sich öffnen, welche Leitern plötzlich an den Mauern unseres eigenen Abgrundes lehnen und mit welcher Kraft es uns möglich ist, den grauen Sumpf zu verlassen.

Alles Liebe

Pauline

 

 

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